Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und die Religion(en)
DOI:
https://doi.org/10.71517/zmr.v107i3-4.193779Schlagworte:
Christentum, Islam, Gottesbild, Weltfrömmigkeit, Dialog der Religionen, Glaube und WissenAbstract
Die Beschäftigung mit dem Christentum und der Welt der nichtchristlichen Religionen, vor allem mit dem Islam, durchzieht das gesamte Leben und Schaffen Johann Wolfgang von Goethes, und zwar in einer Viel- gestaltigkeit, die sich in kein einfaches Schema einordnen lässt. Auftretende Widersprüche und Ambivalenzen ließ er dabei zu, was ihm die Offenheit des Gesprächs ermöglichte. Dabei zeigte er stets die Fähigkeit und Bereitschaft, ohne Berührungsängste zu versuchen, die Welt mit den Augen der anderen zu sehen und den Exklusivismus einer eurozentristischen Belehrungsgesellschaft in eine kosmopolitische interkulturelle Lerngesellschaft zu transformieren. Seiner weltfreudig- heiteren persönlichen Religiosität, die er auch bei seinem geistigen Zwilling, dem muslimischen Poeten und Mystiker Hafis, wiederfindet, ist alle Weltverachtung und Weltflucht fern. Gott ist für ihn der Unbegreifliche und Allliebende, dessen Gegenwart im menschlichen Dasein und der Natur als Ort seiner Manifestationen –
jenseits aller klerikalen Besserwisserei, lebensfernen dogmatischen Festlegungen und einseitiger Rangerhöhung der Ratio – erahnt und gefühlt werden kann.